21. März 2011
Am Wochenende machten sich Manuel, Leah und ich auf dem Weg in’s weite Stegersbach im Burgenland. Ich habe bis zum letzten Abdrücker (sprich, die letzten 5 Minuten innerhalb der Anmeldefrist) mit der Anmeldung gewartet, weil ich so unsicher war, ob so ein popeliger Workingtest wirklich 700 Kilometer Wegstrecke wert wäre. Er war es wert: Leah erreichte bei ihrem ersten Start in einer offiziellen M den tollen zweiten Platz!
Hier eine kurze Aufgabenbeschreibung:
Übung 4 (Robert Robertson)
Team steht auf einer Wiese. Auf 11 Uhr wird in ca. 100 Meter Entfernung eine gut sichtbare Markierung geworfen. Der Hund muss aber als erstes ein unbeschossenes Blind arbeiten, welches auf 1 Uhr in ca. 60 Meter Entfernung in einer Böschung liegt. Keine Schwierigkeit im Gelände.
Peinlicherweise glaube ich, dass ich die Übung falsch verstanden habe. Meine bessere Hälfte, die bei der Starterin vor mir zugesehen hat, hat gemeint: “auf die Markierung schicken, abstoppen, auf das Blind einweisen…” Und ich war bei der ersten Nummer so nervös, dass ich nicht mehr wusste, ob das der Richter dann tatsächlich so wiederholt hat, oder ob ich eh direkt auf das Blind hätte schicken können… Naja, somit habe ich mir die Übung wohl schwieriger gemacht, als sie gewesen wäre. Leah war wirklich, wirklich brav, hat sich wie am Schachbrett auf das Blind einweisen lassen und alle meine Hilfestellungen eifrig angenommen. Die Markierung schaffte sie ohne Hilfe. Robert Robertson hatten seinen Spaß mit meiner Körpersprache beim Einweisen. Ich bin mir nicht sicher, ob er das Lob “you’re a good handler!” ernst gemeint hat… Leah hat sich bei der Markierung zuerst links Wind geholt und ich muss dabei wohl ausgesehen haben, wie ein Flieger in einer Rechtskurve… Dafür gab es unerwartete 19 Punkte, was mich sehr gefreut hat, weil Hrn. Robertson offensichtlich nicht gestört hat, dass ich mir beim Einweisen extra Zeit genommen habe, darauf bestand, dass Leah beim Stopp-Pfiff saß und sie auch verbal lobte.
Übung 1 (Karel van Loo)
Man steht auf einer Art Damm vor einer Altgraswiese. Auf ca. 1 Uhr wird eine Markierung an den Waldrand geworfen. Nachdem der Hund diese geholt hatte, wurde am Rückweg an ähnlicher Stelle ein Blind nachgelegt.
Die Übung empfand ich als erstaunlich einfach für eine M. Karel hat aber später erzählt, dass er sehr wohl selektiert und dabei vor allem auf die Geschwindigkeit geachtet hätte.
20 Punkte. Zu dieser Übung gibt’s nicht viel zu sagen, Leah arbeitete fehlerfrei und brauchte keine Hilfestellung.
Übung 2 (David Fields)
Killing field – diese Übung wurde ein-, zweimal umgedreht, bis sie endlich ein Hund schaffte.
Man steht wieder auf einer kleinen Anhöhe. Vor einem Sumpf, dann ein kleiner Damm, dann Wiese, dann ein Bach, dann wieder Wiese.
Auf der hinteren Wiese (100 Meter?) wurde ein gut sichtbare Markierung geworfen. Der Hund sollte aber zuerst ein Blind holen, welches vor dem Bach in direkter Linie zur Markierung in einem Altgrasbereich lag.
Anschließend die Markierung.
Hier hatten sehr viele Hunde Schwierigkeiten, weil das Bachufer sehr, sehr steil war und die meisten Hunde lange eine günstige Einstiegs- und Ausstiegsstelle suchten.
Leah war hier ein Traum. Das Blind arbeitete sie ohne Hilfestellung fehlerfrei. Der Graben wurde uns aber fast zum Verhängnis. Dass die Maus am steilen Ufer unsicher ist, ist ja nichts neues… Und auch bei dieser Übung rannte sie zuerst rechts, kein Einstieg, links, auch kein Einstieg… Vielleicht doch noch mal rechts? nein das geht echt nicht, aber sie wollte das Dummy soooo sehr, dass sie sich schließlich doch todesmutig in die Fluten gestürzt hat und mit Ach und Krach auch wieder rausgekommen ist. Die Markierung fand sie danach sofort, doch der Rückweg war fast noch schlimmer als der Hinweg. Ich sah Leah nur im Graben verschwinden aber ewig nicht mehr auftauchen. David Fields verließ schon unseren Platz um nachzusehen, was der Hund denn mache. Nach eine Ewigkeit tauchte Leah dann aber mit Dummy im Mund und viele Meter weiter bachabwärts wieder auf, nahm den Ausstieg dort und brachte das Dummy unversehrt zu Frauchen. Nachdem Leah anscheinend das Ufer nicht schaffte, hat sie Plan B gewählt und ist einfach weiter bachabwärts geschwommen um einen leichteren Ausstieg zu wählen.
16 Punkte gab es dafür, Punktehöchstzahl bei dieser Übung!! Anscheinend wollte David Fields hier einfach sehen, wie der Hund mit dieser schwierigen Barriere umging. Hier bin ich wirklich, wirklich stolz auf die Maus. Ich weiß, wie sehr sie schwierige Einstiege fürchtet, trotzdem hat sie gekämpft wie ein kleines Wildschwein!
Übung 3 (Ralph Klieber)
2er-Walkup schräg auf den Damm rauf, danach noch ein paar Meter am Damm weiter. Linkerhand ein Teich. Ein Schütze auf 12 Uhr schießt einmal auf 9, einmal auf 12 und einmal auf 3 Uhr. Nach rechts fliegt auch eine gut sichtbare Markierung. Danach wirft ein Werfer auf 9 Uhr eine Markierung in den Teich.
Der rechte Hund arbeitet zuerst die Markierung in den Teich, der linke Hund wird anschließend zur beschossenen Teichböschung auf 11 Uhr geschickt, in der mehrere Blinds liegen, eins davon ist zu holen.
Danach Seitenwechsel und alles noch mal von vorne.
Meine Angstübung. Zwar nur ein 2er-Walk-up, dafür mit Wassermarkierung. Und der rechte Hund wurde direkt am linken Hund vorbei in’s Wasser geschickt. Leah war ziemlich aufgekratzt, vor allem, als sie den Schützen am Wasser erblickte. Als der zweite Hund arbeitete war es mucksmäuschenstill nur mein Herz schlug ganz laut. Als der andere Hund zum zweiten Mal geschickt wurde, Leah kurz zuckte, aber sitzen blieb, wusste ich, wir haben unsere erste M bestanden!!
Von Ralph Klieber gab es trotzdem Schelte: unsere Fußarbeit sei schlecht, die müssen wir heuer unbedingt noch trainieren. Deswegen trotz perfekter Markierung und fast perfektem Blind auch “nur” 16 Punkte.
Leider bestanden nur sechs von 14 Teams den Bewerb. Umso mehr weiß ich Leahs Leistung zu schätzen. Schön fand ich auch, dass mir kein Richter Punkte für “Trainingseinlagen” wie extra lang Zeit lassen, auf den Sitz-Pfiff bestehen oder verbales Lob abgezogen hat. Ehrlicherweise ist mir ein solides Training mittlerweile mehr wert als 1, 2 Punkte mehr oder weniger. Die strenge Bewertung von Ralph Klieber nehmen wir als Anlass wieder verstärkt an der Fußarbeit – vor allem unter Ablenkung – zu arbeiten. Das wäre doch gelacht, wenn es daran scheitern würde.
Nach der Siegerehrung kam David Fields noch mal extra an unseren Tisch um mir zu gratulieren und sparte nicht an Komplimenten und ermunterte mich, dran zu bleiben. Sehr nett, ich hatte fast Tränen in den Augen.
Bruder Speed war ähnlich erfolgreich und bestand übrigens gestern seine erste Open. Wahnsinn wie die beiden gekämpft haben, das Judge’s Choice war zwar überraschend aber trotzdem wohl verdient!
PS: Und das Sahnehäubchen ist, dass wir mit dem zweiten Platz auch schon für’s Finale 2011 im Magna Racino qualifiziert sind. Wie geil ist das denn?
PPS: Ach ja, während ich diese Zeilen schreibe, sitzt der erfolgsverwöhnte Hund bei Herrli vor der Couch und lässt sich mit Erdnuss-Snips füttern. Sie meint, das hätte sie sich verdient …